Kunstdiebstähle

v. l.: nach Anthonis van Dyck, Selbstbildnis mit Sonnenblume, Jan Brueghel d. Ä., Landstraße mit Bauernwagen und Kühen, Hans Holbein d. Ä., Heilige Katherina, um 1509/10 Bilder: Stiftung Schloss Friedenstein

Kunstdiebstähle und -raube – »Lost Art« – interessieren mich schon sehr lange. Deswegen habe ich, veranlaßt durch das überraschende Wiederauftauchen der Bilder aus dem Gotha-Coup, begonnen, eine Liste von Diebstählen und Rauben zusammenzustellen.

Die Liste wird gelegentlich ergänzt; sie erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und/oder Relevanz. Für Ergänzungen und/oder Korrekturen bin ich dankbar – bitte schreiben Sie mir.


»Berühmte Kunstwerke sind unverkäuflich!«

»Berühmte Kunstwerke sind unverkäuflich! Jeder Kunsthändler kennt sie.« lautet ein gerne vorgetragenes Mantra nach spektakulären Kunstdiebstählen oder -rauben. Aber, stimmt das auch? – Tatsächlich schätzen Experten den Umsatz auf dem illegalen Kunstmarkt auf 6 bis 8 Mrd. Euro jährlich. Immerhin werden allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz pro Jahr etwa 2.500 Kunstwerke gestohlen.

Es stimmt also nicht so ganz. Tatsächlich dürfte es einem chinesischen Triaden-Boss oder einem südamerikanischen Drogenbaron völlig egal sein, ob sein Picasso in irgendeiner Fahndungs-Datenbank für gestohlene Kunst steht. Nur: Der illegale Kunstmarkt ist sehr speziall. Wer dort agiert braucht spezielle Erfahrungen und, vor allem, Verbindungen. Das ist also nichts für Anfänger, Gelegenheitsdiebe und Kleinkriminelle. Diese stellen in der Tat häufig fest, daß sie sich mit einem gestohlenen hochkarätigen Kunstwerk nirgendwo blicken lassen können.

Deswegen versuchen sich Täter auch oft im sog. »Art-Napping«. Diese Täter haben gar nicht vor, das Diebesgut zu verkaufen. Sie spekulieren vielmehr auf ein Lösegeld, eine »Rückgabe-Prämie« durch den Eigentümer oder durch die Versicherung. Solche Vorhaben scheitern aber oft bei der Übergabe des Lösegeldes.

Aber: Nicht nur hochkarätige Kunst wird gestohlen. Tatsächlich wird alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist. Viele kleine Kirchen oder Dorfmuseen können ein trauriges Lied davon singen. Da findet sich die Beute zwar nicht auf Auktionen wieder – aber auf Floh- und Antik-Märkten. Der Schaden ist dennoch beträchtlich, da bei Kunstwerken der materielle Wert nicht unbedingt im Vordergrund steht.

Wer sind die Täter?

Es gibt keine irgendwie einheitliche Tätertypologie. Tatsächlich reicht das Spektrum von spezialisierten Banden über fast genial zu nennende Einzelgänger bis hin zu tatsächlichen Gelegenheitsdieben.

Ebenso verschieden sind die Gründe: Sehr oft ist es einfach nur das Geld. Aber auch »Trophy Theft« spielt eine große Rolle. Dabei geht es dem Dieb – oder dessen Auftraggeber – nicht so sehr um den materiellen Wert der Beute. Es geht einfach nur darum, ein hochkarätiges Kunstwerk zu besitzen und damit zu prahlen. In bestimmten Kreisen erzeugt der an der Wand hängende Picasso ein nicht zu unterschätzendes Renommee. Gerade auch weil jeder weiß, wo das Bild herstammt.

Der in Medien häufig kolportierte »Einsame reiche Sammler, der in seinem Haus ganz alleine im Keller sitzt und sich bei klassischer Musik und einem Glas Rotwein an seinen gestohlenen Schätzen erfreut« ist nach Ansicht erfahrener Kunstfahnder die absolute Ausnahme. Auch wenn es solche Leute durchaus gibt.

Tatsächlich sind Kunstsammler eher eine Art Exhibitionisten: Die wollen einfach zeigen, was sie haben.

Einmal Rembrandt zum Mitnehmen, bitte.

Rembrandt Harmensz van Rijn »Jacob de Gheyn III.«, 1632Das ist Rembrandts Bildnis des des niederländischen Kupferstechers »Jacques de Gheyn III.« von 1632. Es hängt, üblicherweise, in der Dulwich Picture Gallery in Großbritannien.

Üblicherweise. Denn das Bild wurde bereits vier mal von dort gestohlen. 1966, 1973, 1981 und 1986 war es jeweils »abgängig« Aber es wurde auch erfreulicherweise jedesmal wiedergefunden und trägt seitdem den Spitznamen »Takeaway-Rembrandt«.

Es hat einen eigenen Eintrag im »The Guinness Book of Records«: Es gilt als das meistgestohlenen Bild der Welt.


Dezember 2019 – Oper, Bonn

In der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 2019 findet in der Oper Bonn eine Live-Painting Aktion mit dem Pop-Art Künstler Jim Avignon im Rahmen des »Beethoven-Marathon« statt. Avignon erschafft innerhalb von acht Stunden ein dreiteiliges, 2 mal 1,60 m großes Bild mit folgenden Motiven: Beethoven Denkmal und bekannte Bonner Bauwerke wie das Beethoven-Haus Bonn, der Posttower, der Lange Eugen, die Beethovenhalle und andere – ein expressives Portrait Beethovens.

Laut Informationen der Gesellschaft der Freunde des Beethoven Orchesters Bonn e.V. betritt nach der Aftershow-Party, gegen zwei Uhr früh, ein Mann selbstsicher und zielbewußt die Bühne. Er hängt das Gemälde ab, rollt es mit Hilfe eines Komplizen zusammen und verläßt das Gebäude. Die Tatzeugen halten die Diebe für Helfer.

Am Montag dem 23. Dezember 2019 gegen 22:00 Uhr gibt der mutmaßliche Dieb das Bild zurück: Er wirft es, gefaltet und in einer Tüte steckend, ins Foyer der Oper und flüchtet unerkannt.

Dezember 2019 – Leuchtenburg, Kahla

Rembrandt Harmensz van Rijn »Jacob de Gheyn III.«, 1632Vermutlich am Sa. dem 14.12.2019, in der Zeit von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr, öffnen unbekannte Täter gewaltsam die Tür zur Türmerstube im Bergfried der Leuchtenburg und stehlen vier historische Kunstgegenstände. Zu dieser Zeit findet auf dem Gelände der Leuchtenburg der Weihnachtsmarkt statt, der sehr viele Besucher anlockt.

Beschreibung der gestohlenen Gegenstände:

  • Fernrohr aus dem 19. Jahrhundert, bestehend aus Messing und Tropenholz, es ist dreiteilig und ausziehbar, Größe: 27 cm / 78,5 cm, Inventarnummer: V5937H (mit schwarzer Tusche geschrieben)
  • Steinschlossfeuerzeug um 1800 mit Schnapphahn, vorn ein Zweifuß, hinten ein Kugelfuß, Höhe: 6 cm, Länge: 19 cm, Inventarnummer: V177J (mit schwarzer Tusche geschrieben)
  • Weißbierkanne aus dem 19. Jahrhundert, bestehend aus Holz und Kupfer, Höhe: 34 cm, Durchmesser: 28,5 cm, Inventarnummer: V5361H (mit schwarzer Tusche geschrieben)
  • Tonschüssel anno 1849, bestehend aus rötlichem Ton und glasiert mit gelben und grünen Zierrändern, umlaufend auf dem Rand eine gelbe Inschrift: »Im Himmel ist noch Platz für mich und meinen Schatz.«, Durchmesser: 35,5 cm, Inventarnummer: V5768 (mit schwarzer Tusche geschrieben)

Die entwendeten Gegenstände haben einen Wert im vierstelligen Bereich, gleichwohl liegt der ideelle und kunsthistorische Wert aber weitaus höher. Hinweise nimmt die Polizei in Stadtroda unter der Rufnummer 036428-640 entgegen.

(Natürlich sind die bei dieser Tat gestohlenen Gegenstände keine Kunst im eigentlichen Sinne. Ich habe den Fall trotzdem in meine »Sammlung« aufgenommen weil er demonstriert, daß auch sog. »Antiquitäten« keineswegs vor Dieben sicher sind.)

November 2019 – Grünes Gewölbe, Dresden

Einige der aus dem Grünen Gewölbe gestohlenen Schmuckstücke Foto: SKDZwei Einbrecher erbeuten bei einem Einbruch am 25. November 2019 in die Schatzkammer August des Starken in Dresden Diamanten, Schmuck und Edelsteine im Wert von mehreren Millionen Euro. Die Täter dringen über ein vergittertes Fenster mit Sicherheitsglas ein. Die Panzerglas-Vitrine hält den Äxten der Diebe nicht stand. Sicherheitskräfte im Museum beobachten die Tat per Video, schreiten aber selbst nicht ein sondern verständigen die Polizei. Die Polizei ist kurze Zeit nach der Tat vor Ort, die Einbrecher aber bereits wieder weg, die Tat hat nur wenige Minuten angedauert.

Das Fluchtfahrzeug der Täter wird kurze Zeit darauf ausgebrannt in einer Tiefgarage gefunden.

Die Spurensicherung gestaltet sich schwierig, da die Täter Feuerlöscher am Tatort entleert haben. Nach ersten Ermittlungen geht die Polizei von insgesamt vier Tätern aus. Die »Staatlichen Kunstsammlungen Dresden« (SKD) loben eine Belohnung von 500.000 € für die Ergreifung der Täter aus.

Einige der aus dem Grünen Gewölbe gestohlenen Schmuckstücke Foto: SKDMitte Dezember tritt ein Privatdetektiv an die Öffentlichkeit der, angeblich im Auftrag eines anonymen Mäzenen handelnd, der weitere 1,3 Mio. € Belohnung auslobt. Dem Mäzenen ginge es hierbei nur um die Wiederbeschaffung des Diebesgutes, die Ergreifung der Täter sei nachrangig.

Kurze Zeit darauf geistert eine Meldung durch die Medien, daß einzelne Stücke aus dem Diebstahl kurzzeitig auf Ebay angeboten worden sein sollen. Der Fall nimmt bizarre Züge an.

Eine israelische Consulting-Firma, die im Auftrag unbekannter Personen das Museumspersonal überprüft, teilt mit, daß sie Hinweise darauf gefunden hätte, daß die Täter Helfer unter dem Museumspersonal gehabt haben müssen. Dies hätten Auswertungen von Kamera- und Smartphone-Daten ergeben.

In der zweiten Januar-Woche 2020 behauptet die gleiche Consulting-Firma, Kontakt zu den Tätern hergestellt zu haben. Man hätte sich im »Darknet« als Kaufinteressent ausgegeben und zwei Stücke aus dem Diebesgut zum Preis von 8 Mio. €, zu zahlen in »Bitcoins«, angeboten bekommen.

Mai 2019 – Münsterplatz, Bonn

Im Vorfeld des Jubiläumsjahres 2020 stehen am 21. Mai 2019 in Bonn mehr als 700 Beethoven-Skulpturen auf dem Münsterplatz. Die Installation des Künstlers Ottmar Hörl findet scheinbar auch bei Dieben Gefallen: Zwei der knapp einen Meter hohen und viereinhalb Kilo schweren Figuren werden gestohlen. Eine kann die Polizei in der Innenstadt sicherstellen und an ihren Platz zurück bringen. Einn Man, 32, wird festgenommen. Nach weiteren Personen sowie der fehlenden Statue wird noch gefahndet.

In der Nacht zu Samstag dem 7. Dezember 2019 wird eine weitere der Beethoven-Figuren gestohlen. Sie stand an der Kasernenstraße auf einem Vordach in 3,25 Meter Höhe. Unbekannte reißen Ludwig van Beethoven aus der Verankerung und nehmen ihn mit. Der Wert der Figur beträgt etwa 300 Euro. Sie war nach der Kunstinstallation von ihren jetzigen Eigentümern gekauft worden.

März 2017 – Bode Museum, Berlin

Aus dem Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel wird eine hundert Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen. Die Polizei vermutet, dass die kanadische Sonderprägung namens »Big Maple Leaf« zertrümmert, eingeschmolzen und das Gold verkauft wurde. Der reine Goldwert beträgt etwa vier Mio. US-Dollar. Seit Januar 2019 stehen die mutmaßlichen Diebe vor Gericht.

November 2015 – Castelvecchio-Museum, Verona

Bei einem Raubüberfall werden 15 wertvolle Gemälde gestohlen, darunter Meisterwerke von Rubens und Tintoretto. Die Diebe knebeln einen Wachmann und eine Kassiererin und entkommen mit den Gemälden. Das Museum schätzt deren Gesamtwert auf 15 Millionen Euro. Die Bilder werden, vergraben in einem Wald, in der Ukraine in der Nähe der moldawischen Grenze wieder gefunden. Die Täter werden gefaßt und müssen bis zu rund zehn Jahre in Haft.

Mai 2015 – ACC Galerie, Weimar

Am frühen Morgen des 12. Mai 2015 wird ein Gemälde des Berliner ACC-Stipendiaten Diego Castro aus den Räumen der Galerie, in der zu dieser Zeit eine Party mit ca. 400 Gästen stattfand, gestohlen. Es handelt sich um ein 50 x 70 cm großes Portrait von Ho Chi Minh im Wert von etwa 2.600 Euro. Es wird vermutet, daß der Täter das unmitelbar neben einem Fenster hängende Bild aus diesem Fenster geworfen hat, wo es von einem Komplizen in Empfang genommen wurde.

Am späten Abend des 12. Mai wird das Bild vor dem Haus, eingewickelt in zwei Plastiktüten und beklebt mit einem Blatt Papier auf dem »Es tut mir super Leid!!« steht, wieder gefunden.

Dem Künstler Diego Castro bringt der Diebstahl überregionale Bekanntheit.

Juli 2013 – Lutherhaus, Eisenach

Rembrandt Harmensz van Rijn »Jacob de Gheyn III.«, 1632Es ist der 12. Juli 2013 und der schwedische Botschafter Staffan Carlsson besucht Eisenach. Er trägt sich ins »Goldene Buch« der Stadt ein und beabsichtigt, am frühen Nachmittag das Lutherhaus zu besuchen.

Während diesem hohen Besuch fällt auf, dass aus einer nur mäßig gesicherten Vitrine drei originale Lutherschriften spurlos verschwunden sind. Bei den gestohlenen Dokumenten handelte es sich um »An den christlichen Adel deutscher Nation« (1520), den Druck »An die Radherrn aller stedte deutsches lands, das sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen« (1524) und »Eine Predigt, das man Kinder zur Schulen halten solle« (1530), deren ideeller Wert weit höher als der materielle von geschätzt 60.000 € ist.

Indizien weisen auf einen jungen Mann aus Eisenach als den möglichen Täter hin. Der Polizei gelingt es allerdings nicht, den Verdacht zu erhärten, weswegen die Ermittlungen gegen ihn wieder eingestellt werden.

Anfang März 2014 werden alle Ermittlungen vorerst eingestellt. Bis zum heutigen Tag bleiben die Schriften verschwunden.

August 2010 – Museum Mahmud Chalil, Kairo

Am hellichten Tag wird Van Goghs Gemälde »Mohnblumen« gestohlen. Ein Unbekannter schneidet das auf 55 Millionen Dollar geschätzte Werk mit einem Teppichmesser aus dem Rahmen. Es bleibt unauffindbar.

2010 – Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg

Die Aufregung ist groß, als 2010 der vermeintliche Schädel des Piraten Klaus Störtebeker aus dem Museum für Hamburgische Geschichte verschwindet. Angeblich haben die Diebe den Kopf »aus Blödsinn« während des laufenden Museumsbetrieb mitgehen lassen. Ob Seemannsgarn oder nicht: Ein Jahr später steht der Schädel wieder an seinem Platz und Besucher erhalten zur Feier des Tages freien Eintritt.

Mai 2010 – Museum für Moderne Kunst, Paris

Der Bewegungsmelder ist kaputt, die Alarmanlage ist außer Betrieb, die drei Wachmänner bemerkten auch nichts. Da hat ein Dieb in der Nacht des 20. Mai 2010 leichtes Spiel. Er dringt von der Rückseite des Museums ein, bricht ein Vorhängeschloss auf und zerschneidet eine Fensterscheibe. Immerhin wird er von einer Überwachungskamera beobachtet. Um sieben Uhr früh wird der Diebstahl bemerkt. Fünf Gemälde im Wert von 50 bis 100 Mio. Euro sind aus dem schlecht gesicherten Kunsthaus verschwunden. 2012 kann der Dieb mit zwei Komplizen gefaßt werden; die Werke aber sind verschollen.

Bei den gestohlenen Werke handelt es sich um: »Frau mit Fächer« (1919) von Amedeo Modigliani, »Taube mit grünen Erbsen« (1912) von Pablo Picasso, »Der Olivenbaum bei L´Estaques« (1907) von Georges Braque, »Pastoral« (1905) von Henri Matisse und »Stillleben mit Kerze« von Fernand Léger.

Dezember 2009 – Marseille

In der Nacht zu Silvester wird in Marseille das Bild »Les Choristes« von Edgar Degas im Wert von etwa 800.000 Euro von der Wand eines Museums gestohlen.

Juni 2009 – Pablo Picasso Museum, Paris

Unbekannte stehlen während Bauarbeiten im Juni 2009 ein Skizzenbuch von Pablo Picasso aus dem Museum im dritten Pariser Bezirk.

Februar 2009 – Kirche, Ehrenhain (Altenburger Land)

Die Diebe steigen über ein Fenster zu einer Loge in das Gotteshaus ein. Sie erbeuten u.a. zahlreiche Engelsfiguren, goldverzierte, barocke Schmucksäulen aus Holz und zwei Medaillons vom Altar im Gesamtwert von mehr 170.000 Euro. Die Säulen werden wieder aufgefunden und zurückgegeben. Der Diebstahl wurde bisher nicht aufgeklärt.

Februar 2008 – Sammlung Bührle, Zürich

Bewaffnete Männer rauben vier Ölgemälde im Wert von 180 Mio. Schweizer Franken. Es handelt sich um Edgar Degas (»Ludovic Lepic und seine Töchter«), Paul Cézanne (»Der Knabe mit der roten Weste«), Claude Monet (»Mohnfeld bei Vétheuil«) und Vincent van Gogh (»Blühende Kastanienzweige«). Die Sammlung Bührle ist eine der bedeutendsten Privatsammlungen europäischer Kunst. Vier Jahr später sind alle Bilder wieder da. Die Täter kommen bis zu sieben Jahre in Haft. Laut Stadtpolizeisprecher Marco Cortesi handelt es sich um den größten je in der Schweiz durchgeführten Kunstraub. Es handle sich aber auch um einen europaweit einzigartigen Raub, der höchstens mit dem bewaffneten Überfall von 2004 auf das Munch-Museum in Oslo zu vergleichen sei.

Februar 2008 – Seedamm-Kulturzentrum, Pfäffikon

Zwei Picasso-Werke – »Tête de cheval« und »Verre et pichet« im Wert von mehreren Millionen Franken – werden aus dem Kulturzentrum im Kanton Schwyz gestohlen.

Februar 2006 – Rio de Janeiro

Während des Karnevals werden Kunstwerke von Dalí, Matisse, Picasso und Monet aus einem Museum gestohlen. Die Bilder mit einem geschätzten Gesamtwert von 54 Millionen Euro sind bis heute nicht wiedergefunden worden.

August 2004 – Munch Museum, Oslo

Zwei Gemälde des Malers Edvard Munch werden von bewaffneten Dieben während der Öffnungszeiten vor Augenzeugen von der Wand gerissen und entwendet. Es handelt sich um ein Exemplar von »Der Schrei« und das Bild »Die Madonna« mit einem Gesamtwert von 80 Mio. Euro. Beide Kunstwerke werden 2006 bei einer Razzia beschädigt wiederentdeckt, seit 2008 sind sie wieder in dem Museum zu sehen.

2003 – Drumlanrig Castle, Schottland

Das bis zu 70 Mio. Euro teure Gemälde »Die Madonna mit der Spindel« von Leonardo da Vinci wird 2003 aus einem Schloss in Schottland entwendet. Zwei Diebe, die als Touristen in die Ausstellung gelangt waren, überwältigen den Wachmann und fliehen mit dem Gemälde. Das Bild bleibt vier Jahre verschwunden und wird 2007 bei einer Razzia in Glasgow wiedergefunden.

Mai 2003 – Kunsthistorisches Museum, Wien

Benvenuto Cellini »Saliera« Bild: Kunsthistorisches Museum WienAm 11. Mai 2003 findet eine »Langen Nacht der Musik« im Kunsthistorische Museum Wien statt. Gegen 2:00 Uhr verlassen die letzten Besucher die Veranstaltung. Um 3:55 Uhr schlägt die Alarmanlage an. Die Sicherheitskräfte reagieren nicht. Erst um 8:20 Uhr entdeckt ein Mitarbeiter des Museums den Einbruch. Die Diebe haben ein Fenster ist eingeschlagen, die Vitrine aufgebrochen und die Skulptur »Saliera« von Benvenuto Cellini gestohlen. Die Polizei wird verständigt.

Der Wert dieses »Salznapfes« wird auf 50 Mio. Euro geschätzt, eine weltweite Fahndung läuft an. Ergebnislos.

Erst im Januar 2006 ergibt sich eine heiße Spur. Am 21. Januar 2006 meldet sich Robert M., ein damals 50-jähriger Experte für Alarmanlagen aus Wien-Neubau, bei der Polizei. Er sei wohl »irrtümlich in die Fahndung geraten«. Nach einer mehrstündigen Befragung gesteht er den Diebstahl und führt die Polizei zu einem Waldstück bei Brand im Bezirk Zwettl. Dort wird eine Kiste ausgegraben, darin enthalten die Saliera. Der Dieb wird zu 5 Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

Bei einem Museumsbesuch fiel Robert M. auf, daß das hübsche Kunstwerk praktisch schutzlos war: keine Glasbruchsensoren an den Fenstern und ein geradezu einladendes Gerüst an der Außenfassade, die damals gerade renoviert wurde. Einige Wochen später kam ihm dann in angeheitertem Zustand die Idee, die Probe aufs Exempel zu machen. Rober M. erfährt erst durch die Medien, was er da eigentlich gestohlen hat. Er erfährt, daß es sich nicht nur um Österreichs meistgesuchtes Kunstwerk handelt – sondern sogar um eines, daß es unter die »Top Five« auf der FBI-Liste der »Most Wanted« gebracht hat. Er bekommt Angst und versteckt die Saliera für zwei Jahre in einem Koffer unter seinem Bett.

Dennoch unternimmt er zwei Versuche, für die Rückgabe von Cellinis Goldschmiedearbeit Geld von der Versicherung zu bekommen. Schon 2003 stellt er eine Lösegeldforderung über 5 Mio. Euro und legt dieser, zum Beweis, mehrere Krümel der Emaillierung bei. Beim zweiten Versuch läßt er im 2015 Oktober der Polizei und der Versicherung den vergoldeten Dreizack der Saliera zukommen und will bereits zehn Mio. Euro.

Für die Übergabe denkt er sich eine Schnitzeljagd aus, bei der er den Überbringer per SMS und schriftlichen Mitteilungen einen Tag lang kreuz und quer durch Wien dirigiert. Auch diese Aktion bricht Robert M. ab, doch anhand der versendeten SMS gelangt die Polizei zu einer Handy-SIM-Karte, die zu einem Shop in der Mariahilfer Straße führt. Über Bilder der Überwachungskamera kann die Polizei die SIM-Karte einem unbekannten Käufer zuordnen. »Nach der Veröffentlichung der Bilder nahmen die Dinge schließlich schneller ihren Lauf, als wir gehofft haben«, so der leitende Ermittler der Polizei.

Dezember 2002 – Van Gogh Museum, Amsterdam

Van Gogh »Meeressicht bei Scheveningen«, 1882Dieser Fall führt ins italieneische Mafia-Milieu. Im Auftrag des Bosses der neapolitanischen Camorra werden 2002 die Werke »Meeressicht bei Scheveningen« und »Die reformierte Kirche von Nuenen mit Kirchgängern« gestohlen. Ihr Wert beträgt mehrere Mio. Euro, die Bilder sind nicht versichert. (Van-Gogh-Bilder bringen bei Versteigerungen immer wieder zweistellige Millionenbeträge ein.) Die Diebe dringen in der Nacht mit einer Leiter über das Dach in das Amsterdamer Museum ein und entkommen unerkannt. Sie werden drei Jahre später gefasst und zu Gefängnisstrafen von drei Jahren verurteilt. Von den Bildern gibt es allerdings keine Spur. Auch eine vom Museum ausgesetzte Belohnung von 100.000 Euro bringt keinen Erfolg. Die amerikanischen Bundespolizei FBI zählt den Diebstahl zu den »Top Ten« der Kunstraube weltweit. Erst vierzehn Jahre später, im September 2016, werden sie, eher zufällig, von der Polizei bei einer Drogenrazzia auf dem Landsitz jenes Mafiosos südlich von Neapel in relativ gutem Zustand wiedergefunden. Allerdings müssen sie neu gerahmt werden; die originalen Rahmen sind verschwunden. Ob der hohe Bekanntheitsgrad der Gemälde ihren Verkauf zu schwierig gemacht hat?

April 2002 – Brücke-Museum, Berlin

Neun Gemälde bekannter Expressionisten wie Emil Nolde oder Max Pechstein im Wert von rund 3,6 Millionen Euro verschwinden aus dem Museum. Wenige Wochen später werden die Bilder wieder sichergestellt. Die Täter wurden zu Haftstrafen von bis zu fünfeinhalb Jahren verurteilt.

Oktober 1997 – Villa Grisebach, Berlin

Lovis Corinth, »Schlafendes Mädchen«Zwei Dutzend Besucher sehen sich am Donnerstag, dem 30. Oktober, nachmittag im Auktionshaus Villa Grisebach um. Unter ihnen ist ein Dieb, der das Gemälde »Schlafendes Mädchen« von Lovis Corinth mitgehen läßt. Das Bild ist vor der Auktion am 28./29. November zur Besichtigung ausgestellt. Es steht im 1. Stock des Hauses auf einem Regal und wird von dort, obwohl gut 20 Mitarbeiter im Haus sind, zwischen 14.30 und 16.30 Uhr entwendet. Das einem Privatmann gehörende, mit Öl auf Holz gemalte Bild (39,6 x 53,9 cm), sollte zu einem Mindestgebot 100.000 D-Mark versteigert werden. Das Auktionshaus setzt für die Wiederbeschaffung 5.000 D-Mark Belohnung aus.

Das Bild ist zurückgekehrt.

Januar 2000 – Ashmolean Museum, Oxford

Während Europa das neue Jahrtausend begrüßt, wird im Oxforder Ashmolean Museum ein Dachfenster eingeschlagen, ein Seil hinab gelassen und den Kameras mit Rauchgranaten die Sicht genommen – wie in einem Spielfilm. Die Beute: das Bild »Auvers-sur-Oise«, ein drei Mio. Pfund teures Gemälde von Paul Cézanne. Dieb und Werk verschwinden in den Silvesterfeierlichkeiten auf Nimmerwiedersehen.

Dezember 1996 – Schloß Charlottenhof, Potsdam

Caspar David Friedrich, »Ansicht eines Hafens«Die beiden Einbrecher wuchten am 7. Dezember 1996, gegen 2:00 Uhr früh, die schweren Holzläden auseinander und stemmen mit einem Kuhfuß das Fenster aus den Angeln. So gelangen sie in die Schloßgemächer und schneiden das Bild im Goldrahmen, 90 mal 71 Zentimeter groß, von den Stahlseilen. Der von der Alarmanlage aufgeschreckte Wächter kommt zu spät.

Bei dem gestohlenen Bild handelt es sich um Caspar David Friedrichs Gemälde »Ansicht eines Hafens«, eines der wertvollsten Bilder der deutschen Romantik.

Die Polizei bildet die 17-köpfige Soko »Hafen« – tappt aber, trotz der ausgelobten Belohnung von 50.000 D-Mark, vorerst im Dunklen. Das ändert sich nach einem anonymen Anruf. »Das Bild ist eine Fälschung« behauptet der Anrufer. Weitere Ermittlungen führen die Polizei zu einem 42-jährigen Immobilienhändler, einem früheren Major der Hauptabteilung II im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR mit engen Verbindungen zur »Kunst und Antiquitäten GmbH«, einer Tarnfirma, über die das MfS zwecks Devisenbeschaffung einen regen Kunsthandel mit dem westlichen Ausland abwickelte.

Der Ex-Major teilt der Polizei mit, daß ihm das Bild für eine Mio. D-Mark zum Kauf angeboten wurde. Die Polizei beschließt, zum Schein auf den Kauf einzugehen. Für den 3. März 1997 wird ein Treffen mit den vermeintlichen Tätern in einem Garagenkomplex in der Potsdamer Haeckelstraße vereinbart. Nachdem der Immobilienhändler bestätigt, daß das Bild echt sei, schlägt die Polizei zu. Ein 24-jähriger arbeitsloser Tischler und ein 25-jähriger Architekturstudent werden verhaftet und wandern in Untersuchungshaft.

Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung findet die Polizei Mengen an weiterem Kitsch, Kunst und Krempel im Wert von etwa 700.000 D-Mark, den die Diebe in den vergangenen Jahren zusammen gestohlen hatten. Darunter zehn Gemälde des Potsdamer Malers Egon von Kameke, sie waren im Sommer 1996 aus einer Potsdamer Villa entwendet worden und alleine etwa 500.000 D-Mark wert, sowie eine im Weimarer Hotel »Elephant« gestohlene Goethe-Büste im Wert von etwa 50.000 D-Mark.

April 1996 – Oberägeri im Kanton Zug

Aus einer Wohnung werden drei Bilder von Henri Toulouse-Lautrec, Paul Gauguin und Cézanne im Gesamtwert von rund drei Millionen Franken gestohlen.

November 1994 – Herrliberg am Zürichsee

Das Bild »Die ältere Schwester« von Albert Anker und ein Bild des deutschen Malers Eduard von Grützner verschwinden aus einem Einfamilienhaus. Beide Werke werden wenige Tage später von der deutschen Grenzpolizei im Intercity-Zug Basel – Frankfurt gefunden. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Oktober 1994 – Galerie Bolag, Zürich

Mehrere Einbrecher stehlen sieben Picassos im Wert von rund 52,5 Millionen Franken, darunter die schon 1991 gestohlenen Werke. In die Täter werden gefasst und bestraft.

Juli 1994 – Kunsthalle Schirn, Frankfurt

Am 29. Juli lassen sich Diebe in die Ausstellung einschließen, überwältigen nachts den Sicherheitsdienst und stehlen »Schatten und Dunkelheit« und »Licht und Farben« von William Turner sowie »Nebelschwaden« von Caspar David Friedrich. Versicherungswert: 70 Millionen D-Mark. Jahre später tauchen die Bilder wieder auf. Die Täter kommen bis zu elf Jahre in Haft, die Hintermänner bleiben unbekannt.

1994 – Kirche, Breitenworbis

Drei Heiligenfiguren und ein Messingleuchter werden gestohlen.

1993 – Dorfkirche, Niederroßla

Es werden zwei großformatige Gemälde gestohlen.

1993 – Kirche, Schönstedt

Vier meterhohe Holzfiguren, zwei Putten sowie ein Christuskörper, den die Diebe zuvor vom Kreuz gerissen hatten, werden in der Nacht zum 10. Dezember 1993 gestohlen. Die Täter verstecken die Beute zuerst in einem Straßengraben und verhökern sie anschließend auf einem Flohmarkt für 2.000 D-Mark an angeblich anonyme Käufer. 2.000 D-Mark für barocke Schnitzkunst, die eher über 100.000 D-Mark wert ist. Binnen sechs Wochen plündern die Täter noch zehn weitere Kirchen.

Oktober 1992 – Stadtschloß, Weimar

Lucas Cranach d.Ä. »Luther als Junker Jörg«, Stadtschloß WeimarAm 12. Oktober 1992 gegen 4:00 Uhr früh werden aus dem Stadtschloß Weimar acht Cranachs, darunter das berühmte »Luther als Junker Jörg« und das »Bildnis der Prinzessin Sibylle von Cleve«, gestohlen. Fünf der Bilder wurden direkt von Lucas Cranach d.Ä. gemalt, drei stammen aus seiner Werkstatt. Ihr geschätzter Wert beträgt über 60 Mio. D-Mark. Ein neben den Cranachs hängender Dürer wird nicht angetastet.

Lucas Cranach d.Ä. »Bildnis der Prinzessin Sibylle von Cleve«, Stadtschloß WeimarDie Polizei setzt eine 20-köpfige Sonderkommission ein. Zeugenaussagen ergeben Hinweise auf einen dunklen Mercedes als mögliches Tatfahrzeug. Da sich Hinweise darauf verdichten, daß sich die Täter mehrere Tage in Tatortnähe aufgehalten haben, werden alle erdenklichen Quartiere überprüft. Eine Mitarbeiterin des Zeltplatzes Hohenfelden erinnert sich an eine Personengruppe mit einem schwarzen Mercedes. Sie hat das Kennzeichen des Fahrzeigs notiert.

Die Landesregierung, die Stadt Weimar und die Staatsanwaltschaft erhöhen die für Hinweise ausgelobte Belohnung von 100.000 D-Mark auf 1 Mio. D-Mark. Gezahlt werden soll nicht für die Festnahme der Täter – sondern für die Wiederbeschaffung der Bilder.

Nach wenigen Tagen meldet sich ein Tipgeber aus Süddeutschland mit dem Angebot, Kontakt zu den Dieben herzustellen. Der leitende Ermittler der Polizei entschließt sich, auf einen Scheinkauf einzugehen.

Bei einem ersten Treffen in Bayern verkaufen ihm die Täter ein nahe Hannover gestohlenes Gemälde von Carl Spitzweg.

Am 2. November kommt es auf dem Parkplatz eines Baumarktes in Northeim (Niedersachsen) zum Showdown: Die Cranach-Gemälde sollen, für 2,7 Mio. D-Mark, den Besitzer wechseln. Nachdem sich der leitende Ermittler vergewissert hat, daß die mutmaßlichen Täter die Bilder dabei haben, gibt er das Signal zum Zugriff. Fünf polizeibekannte Männer, darunter zum Schein auch der Tipgeber, werden vom SEK festgenommen, nach Weimar gebracht und dem Haftrichter vorgeführt.

Die meisten Bilder sind schwer beschädigt und müssen aufwändig restauriert werden.

Vier Täter werden im Oktober 1993 vor dem Landgericht Erfurt angeklagt und wegen Hehlerei zu Haftstrafen von bis zu 2 Jahren und 4 Monaten verurteilt. Der Diebstahl konnte ihnen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

In Bad Berka erhält der Tipgeber die Belohnung ausgehändigt.

Sommer 1992 – Bergkirche, Klein-Urleben

In die ungesicherte Kirche von Klein-Urleben im Unstrut-Hainich-Kreis wird eingebrochen. Gestohlen werden die Portraits von Erich Volckmar von Berlepsch und Lucretia von Berlepsch, die 1580 in der Werkstatt von Lucas Cranach d.J. entstanden.

Die Portraits werden relativ schnell wieder aufgefunden und zurückgegeben. Sie befinden sich heute im Depot des Gothaer Schloßmuseums; in der Kirche selbst hängen Kopien.

1991 – Dom, Erfurt

Der Diebstahl eines Cranach-Altarflügels scheitert. Gestohlen werdn acht Holzfiguren.

1991 – Schloß Tenneberg, Waltershausen

Es werden Puppen aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert gestohlen.

1991 – Wallendorf

Aus dem Musterzimmer einer Porzellan-Manufaktur werden Stücke aus dem 18. Jahrhundert gestohlen.

Juni 1991 – Galerie Bolag, Zürich

Trickdiebe stehlen zwei Picassos, »Die Sitzende« und »El Christo de Montmartre«, deren Wert auf 61 Millionen Franken beziffert wird. Die Bilder werden im Februar 1992 sichergestellt, acht Personen verhaftet.

April 1991 – Van Gogh-Museum, Amsterdam

Seit 1973 befindet sich im Van Gogh-Museum Amsterdam die weltweit größte Sammlung von Werken des niederländischen Malers. Am 14. April 1991 stehlen mehrere Täter gleich 20 Gemälde van Goghs im Wert von etwa 100 Mio. Euro. Darunter sind das »Weizenfeld mit Krähen« (das lange als letztes Gemälde van Goghs galt, es aber nicht ist) das »Schlafzimmer in Arles«, van Goghs »Selbstbildnis vor der Staffelei«, die »Zugbrücke« und die »Sonnenblumen«.

Es gibt keine Spuren eines Einbruchs von außen. Die Ermittlungen ergeben, daß sich am Abend zuvor ein Mann unbemerkt in einer Toilette des Museums hatte einschließen lassen. Um genau drei Uhr am folgenden Morgen hört einer der beiden Wachmänner einer externen Firma Schritte im Museum. Sekunden später steht ihm ein bewaffneter maskierter Mann gegenüber und sperrt ihn in eine Abstellkammer ein. Der Täter schaltet die Alarmanlage ab und öffnet einem Komplizen die Tür. Beide Täter lassen sich eine Dreiviertelstunde Zeit, um ihre Beute aus den Rahmen zu nehmen und in zwei Kleidersäcke und eine Reisetasche zu packen.

Schnell entsteht der Verdacht, daß es sich bei dem spektakulären Überfall um einen »Insider-Job« handelt: Einer der beiden angeblich überfallenen Aufseher arbeitet wahrscheinlich mit den Dieben zusammen. Was spektakulär beginnt, endet für die Täter im doppelten Desaster. Die Polizei löst sofort eine Großfahndung nach dem Fluchtwagen aus. Tatsächlich wird er schon eine Dreiviertelstunde nach Ende des Überfalls an der Bahnstation Amstel, am Stadtrand von Amsterdam, entdeckt. Die zwanzig gestohlenen Van Gogh-Gemälden liegen auf dem Rücksitz. Die Diebe hatten geplant, daß dort Komplizen die Beute übernehmen sollten. Diese kamen aber, wegen einer Reifenpanne, erst zum Treffpunkt, als es dort bereits von Polizisten wimmelt.

Die Diebe selbst fallen wenig später auf einen Trick herein: Drei Monate nach dem Kunstraub verkündet die Polizei, sie stelle die Ermittlungen ein. Tatsächlich hat die Polizei aber zwei Niederländer, im Alter von 24 und 31 Jahren, im Verdacht und hört deren Telefone ab. Wie erwartet tappen die beiden in die Falle und beglückwünschen sich telefonisch zum vermeintlichen Erfolg. Sie werden am 19. Juli 1991 verhaftet.

März 1990 – Gardner Museum, Boston

Der Einbruch in das gilt als größter Kunstraub der Geschichte. Zwei als Polizisten verkleideten Täter lassen sich das Museum nachts von zwei Wachmännern aufschließen und nehmen 13 Gemälde mit, unter anderem von Degas, Rembrandt und Manet. Ihr Wert wird auf 500 Millionen Dollar geschätzt. Obwohl das Museum eine Belohnung von zehn Millionen Dollar auslobt, sind die Bilder bis heute verschwunden.

1990 – Michaeliskirche, Erfurt

Es werden zwei Tafelbilder aus dem 17. Jahrhundert gestohlen.

1990 – Staatliches Museum, Meiningen

Ein rund 400 Jahre altes Landschaftsgemälde wird gestohlen.

September 1989 – Schloß Charlottenburg, Berlin

Carl Spitzweg »Der arme Poet«Am 3. September 1989, gegen 11:00 Uhr, kommen zwei Männer in die »Galerie der Romantik« im Schloß Charlottenburg. Einer sitzt im Rollstuhl, er ist vielleicht 25 Jahre alt, groß und mit rotblondem Backenbart und braunem Strickpullover. Sein Begleiter ist etwa im gleichen Alter, hat blondes Haar, trägt einen auffallend ähnlichen Pulli und eine helle Hose.

Als die beiden den Knobelsdorff-Flügel erreichen und die Carl Spitzweg Gemälde »Der arme Poet« und »Der Liebesbrief« betrachten, kommt urplötzlich Leben in den Mann im Rollstuhl. Die zwei Männer springen über die hüfthohe Absperrung vor den Bildern, knipsen mit einem Seitenschneider die Drähte durch, an dem die Gemälde hängen, reißen sie von der Wand und fangen an zu rennen.

Die Alarmanlage schrillt los und ein 63-jähriger Wachmann nimmt die Verfolgung auf. Er stellt sich den Flüchtenden in den Weg, wird aber zu Boden geschlagen. Durch diesen Gewaltakt wird aus dem Diebstahl ein Raub. Die Räuber entkommen auch einem weiteren Museumsmitarbeiter, laufen aus dem Schloss, rennen über den Rasen, klettern über den Eisenzaun und verschwinden in der Eosanderstraße. Als die Polizei kommt, sind sie längst fort.

Experten schätzten den Wert der Spitzweg-Gemälde auf drei Mio. D-Mark.

Die öffentliche Fahndung nach den beiden Tätern und einem weißen Opel Omega als möglichem Fluchtwagen bleibt erfolglos. Auch die 10.000 D-Mark Belohnung, die von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ausgelobt werden, führen nicht zu Hinweisen. Gerade mal 50 Hinweise überhaupt gehen in den ersten Tagen nach der Tat bei der Polizei ein. Opel und Rollstuhl, ergeben die Ermittlungen, waren zuvor in Steglitz gestohlen worden. Die Bilder bleiben verschwunden.

Für den »armen Poeten«, gemalt 1839, war das nicht der erste Diebstahl. 13 Jahre zuvor war er schon einmal gestohlen worden, wurde aber nach ein paar Stunden zurück gegeben.

Ende der 80er – Kunstgalerie, Zürcher Innenstadt

Damals hatten drei Bewaffnete eine Kunstgalerie in der Zürcher Innenstadt überfallen und 21 Renaissance-Gemälde im Wert von mehreren Millionen Franken geraubt, darunter Werke von Jan Maertens dem Jüngeren, Jan Steen, Willem van Aelst und Dirk Hals. Der Fall wird Anfang Mai 1989 publik, als FBI-Agenten in New York zwei Belgier verhaften und neun geraubte Bilder im Wert von etwa 6,75 Millionen Franken sicher stellen.

1988 – Berliner Nationalgalerie, Berlin

Mit diesem Plakat läßt Lucian Freud 2001 nach seinem gestohlenen Bild fahnden.Der Täter legt eine unglaubliche Abgebrühtheit an den Tag, als er während der Mittagszeit des 27. Mai 1988 das Portrait von »Francis Bacon« des Briten Lucian Freud, Enkel des Psychoanalytikers, von seiner Aufhängung entfernt.

Dazu arbeitet er minutenlang mit einem Schraubenzieher. Er hatte es allein auf die etwa 13 mal 18 cm große bemalte Kupferplatte abgesehen. Sie hängt zwischen Leinwänden an einem gut zwei Meter langen Draht an der Wand, die Aufhängung ist verschraubt. Als der Dieb damit fertig ist, steckt er die Platte samt ihrem goldfarbenen Holzrahmen, Draht und Schraube ein und verschwindet spurlos.

Ungefähr 800 Besucher sind zu diesem Zeitpunkt anwesend. Gegegen 15:00 Uhr fällt der Verlust auf. Alle Türen werden geschlossen, alle Besucher durchsucht. Zu spät. Weder Splitter noch Fingerabdrücke oder sonstige Spuren bleiben zurück. Es gibt keine brauchbaren Zeugenaussagen. Die Ermittlungsakten der Polizei füllen gerade mal zwei Aktenordner.

Der britische Maler Lucian Freud wird (damals, er starb 2011) als einer der »größten lebenden Realisten« gepriesen. Die Ausstellung war zuvor schon in Washington, Paris und London gezeigt worden. Berlin sollte die letzte Station sein, Eintritt frei. Das Portrait entstand 1952. Es gilt als Schlüsselwerk von Freuds frühem Schaffen und zeigt seinen Freund Francis Bacon, den berühmten irischen Maler in blau und grau und gelb, Öl auf Kupferplatte. Bacons Gesicht in Nahaufnahme, der Blick gesenkt, die Mine zwischen melancholisch und abwesend.

Trotz der eigentlich guten Ausgangslage, Berlin als abgeschottete Stadt mit nur begrenztem Territorium und einer überschaubaren Anzahl an Kunst- und Antiquitätenhändlern, bleibt das Bild – Eigentümer ist die Tate Gallery in London – bis heute unauffindbar, auch ein Lösegeld wurde nicht gefordert.

Mai 1980 – Patronatskirche, Klieken (Landkreis Wittenberg)

Am Morgen des 17. Mai 1980 wird der Diebstahl zweier Cranach-Altarflügel aus der Kirche bemerkt. Die Diebe waren durch ein Fenster eingedrungen und mit brachialer Gewalt vorgegangen.

Trotz intensiver Bemühungen der Volkspolizei (VP) und später auch des Ministerium für Staatssicherheit (MfS) finden sich keine verwertbaren Hinweise.

Es entstehen Gerüchte, daß der MfS-Bereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo) mit dem Diebstahl in Zusammenhang stehen könnte. Diese Gerüchte können nie bastätigt werden.

1990 tauchen die Altarflügel bei einer Auktion in Bamberg (Oberfranken) auf. Ein Mann aus Jena hatte sich dem Auktionator als Projektant der Wismut vorgestellt und gab an, die Altartafeln in den 70er Jahren in einer Kirche sichergestellt zu haben, kurz bevor diese dem Bergbau zum Opfer fallen sollte. Der Auktionator nahm dem Jenaer seine Geschichte ab. Er kaufte für mehr als 10.000 D-Mark die Flügel an. Sie wurden anschließend, inzwischen rahmenlos, von einer Kunstmalerwitwe erworben in einen Schrank als Türflügel eingebaut. Nachdem die Witwe gestorben war gibt ihr Sohn die Flügel im Herbst 2006 wiederum an ein Bamberger Auktionshaus zur Versteigerung. Die Flügel gehen an zwei Antiquitätenhändler, die sie neu rahmen lassen. Im Juli 2007 entdeckt ein Cranach-Experte durch Zufall die gestohlenen Altarflügel von Klieken im Schaufenster des Antiquitätenhandels. Das LKA Bayern sichert die Tafeln. Nach einem juristischen Vergleich mit den Händlern gehen die Flügel wieder in den Besitz der Hoffnungsgemeinde Zieko (zu der Klieken gehört) über. Es soll eine fünfstellige Abfindungssumme gezahlt worden sein. Darüber ist aber Stillschweigen vereinbart. Der Diebstahl selbst ist ohnehin verjährt, die Ermittlungen endgültig eingestellt.

Seit 2013 werden die Altarflügel wieder in der Kliekener Kirche präsentiert.

Dezember 1979 – Schloß Friedenstein, Gotha

Aus Schloss Friedenstein in Gotha werden in der Nacht vom 13. zum 14. Dezember 1979, gegen 2:30 Uhr morgens, fünf Gemälde mit einem damaligen Wert von geschätzten 4,5 Millionen D-Mark gestohlen. Es handelt sich um Bilder von Hans Holbein d. Ä., Frans Hals, Anthonis van Dyck, Jan van Brueghel d. Ä. und Jan van Lievens aus der Gemäldegalerie »Niederländische Meister«.

Es ist eine regnerische und stürmische Nacht, als ein Täter ca. 10 Meter an einem Blitzableiter empor klettert und ein Fenster einschlägt. Er betritt drei verschiedene Räume und hängt die diversen Bilder flämischer Meister mitsamst Rahmen ab. Die wertvolleren Bilder der Cranach-Sammlung läßt er unangetastet. Der Dieb weiß offenbar ganz genau, was er stehlen will.

Jan Brueghel d. Ä., Landstraße mit Bauernwagen und Kühen, Sammlung Schloß Friedenstein
nach Anthonis van Dyck, Selbstbildnis mit Sonnenblume, Sammlung Schloß Friedenstein
Frans Hals, Werkstatt, Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen, Sammlung Schloß Friedenstein
Hans Holbein d. Ä., Heilige Katherina, Sammlung Schloß Friedenstein
Jan Lievens, Kopie nach Rembrandt Harmensz. van Rijn, Alter Mann, Sammlung Schloß Friedenstein

Der Diebstahl führt zu einem der größten Ermittlungsverfahren in der DDR-Kriminalgeschichte. Bis zu 160 Kriminalisten und dutzende Mitarbeiter des MfS überprüfen mehr als 1.000 Personen bei ihren »Rundumermittlungen«. Darunter auch die »Gebrüder Weisheit«, die bekannte Hochseil-Truppe aus Gotha. Von Besuchern, die sich (vermeinlich) auffällig verhalten hatten, werden mit Hilfe des Museumspersonals Phantombilder angefertigt. Die Ermittlungen werden bis nach Polen und in die CSSR ausgeweitet.

Am eingeschlagenen Fenster fällt auf: Der Dieb hat die linke untere Ecke eingeschlagen, der Fenstergriff ist aber schräg gegenüber. Es entsteht der Verdacht, daß ein Mitarbeiter des Museums das Fenster offen ließ und daß es nur eingeschlagen wurde, um das zu vertuschen.

Ungeklärt bleibt auch der Abtransport der Bilder. Eine von einem Fährtenhund aufgenommene Spur endet an einer Straße, unmittelbar in der Nähe des Gothaer Schlachthofes. Von dort aus gehen regelmäßig vom Zoll verplombte Transporte in die Bundesrepublik. Über das Exportbuch versucht die Polizei herauszubekommen, welche LKW in der fraglichen Nacht westwärts fuhren. Unklar ist auch der Verbleib des Exportbuches: Es gilt als verschollen.

In der Bevölkerung machen alsbald Gerüchte die Runde, daß das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) – der Bereich »Kommerzielle Koordinierung (KoKo)« – hinter dem Diebstahl stecken könnte. Diese Gerüchte können bis heute nicht bestätigt werden. Ihr Wahrheitsgehalt ist auch unwahrscheinlich: Zwar war das MfS alles andere als zimperlich und grundsätzlich kann man ihm jede Schandtat zutrauen – aber eine derartig riskante Operation hatte das MfS einfach nicht nötig. Die Mitarbeiter der KoKo hätten sich ganz offiziell, gut legendiert unter einem Vorwand, aus den Depots bedient. Außerdem birgt ein Einbruch immer das enorme Risiko eines Fehlschlages. Dann wäre die sofortige Dekonspiration die Folge gewesen.

Viele Fragen – kaum Antworten. Die Straftat ist mittlerweile verjährt.


Funfact: Zu Wendezeiten stieß man nahe der Kasematten von Schloß Friedenstein auf ein Lager des »VEB Antikhandel Pirna«, in dem für den Export bestimmte antike Möbel gelagert wurden. Der »Antikhandel Pirna« gehörte zum Bereich »Kommerzielle Koordinierung« des MfS.


Schon 1978, ein Jahr zuvor, scheiterten drei Versuche, in das Museum einzubrechen. Beim ersten Mal, im August 1978, riß der Blitzableiter aus der Wand, an dem die Einbrecher hinaufklettern wollten. Beim zweiten Mal hatten sie deswegen eine Klappleiter mitgebracht. Erfolgreich waren sie trotzdem nicht: Sie schafften es nicht, das Fenster zu öffnen. Beim dritten Versuch, am 11. Oktober 1978, bemerkte ein Pförtner den Einbruch und rief die Polizei. Sechs Täter wurden verhaftet.

Beim Prozess sagten die Angeklagten aus, ihnen sei es um den »Zigeuner-Brueghel« gegangen. Das Bild von Jan Brueghel d. Ä. zeigt aber nur eine »normale« Landstraße mit Kutschenverkehr. Es blieb unklar, was mit dieser Aussage gemeint war. Die sechs Angeklagten wurden im Januar 1979 zu Haftstrafen verurteilt – kamen aber wegen der Generalamnestie aus Anlaß des 30. Jahrestages der DDR-Gründung schon im Herbst 1979 wieder frei. Ihre erneute Überprüfung durch die Polzei ergibt keine Hinweise auf eine Beteiligung an der Tat.

Dezember 2019, Update

Am 6. Dezember 2019 wird völlig überraschend bekannt gegeben, daß sich die Bilder wieder im Zugriff der Stiftung Schloß Friedenstein befinden. Im Juli 2018 war ein Arzt aus Ostfriesland über einen Anwalt anonym an die Stiftung herangetreten und behauptete, im Besitz der Bilder zu sein und um über eine Rückgabe verhandeln zu wollen. Angeblich hätte sein (verstorbener) Vater die Bilder von einem Kriegskameraden als Sicherheit für ein Darlehen erhalten. Mit finanzieller und fachlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung nahm der damalige Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Schloss Friedenstein und Oberbürgermeister der Residenzstadt Gotha, Knut Kreuch, die Verhandlungen auf. Am 30. September 2019 kam es in Berlin zu einer Übergabe der Gemälde an die Stiftung Schloss Friedenstein. Seither befinden sie sich, zwecks Überprüfung der Authentizität, im Berliner Rathgen-Forschungslabor.

Anfang Januar 2020 wird die Rückkehr der Bilder nach Gotha noch im Januar angekündigt. Geplant wird eine Sonderpräsentation.


Am werden die Bilder auf einer Pressekonferenz in Berlin – erstmals nach mehr als 40 Jahren – wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Für den ist eine weitere Pressekonferenz in Gotha geplant. Die Bilder sollen in Gotha eine Woche ausgestellt werden, bevor sie in die Restaurierung gehen.

Jan Brueghel d. Ä., Landstraße mit Bauernwagen und Kühen, Sammlung Schloß Friedenstein
nach Anthonis van Dyck, Selbstbildnis mit Sonnenblume, Sammlung Schloß Friedenstein
Frans Hals, Werkstatt, Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen, Sammlung Schloß Friedenstein
Hans Holbein d. Ä., Heilige Katherina, Sammlung Schloß Friedenstein
Jan Lievens, Kopie nach Rembrandt Harmensz. van Rijn, Alter Mann, Sammlung Schloß Friedenstein

Hinweise deuten darauf hin, daß die Bilder die letzten fast 40 Jahre nicht in einem Versteck zubrachten. Mindestens eins der Bilder scheint in einer Wohnung an einer Wand gehangen zu haben.


Möglicherweise haben die DDR-Ermittler 1979/80 eine entscheidende Spur übersehen: Es gab mehrere Zeugenaussagen, daß ein Fahrzeug des Typs »AWZ P70 Kombi« in der Nähe des Tatortes gesehen wurde. Von diesen Fahrzeugen, Nachfolger des »F8« und Vorgänger des »Trabant«, wurden von 1955 bis 1959 insgesamt nur rund 36.000 Stück in Zwickau produziert. Nur ein (kleiner?) Teil davon waren Kombis.

Der P70 war trotz des Mangels an PKW in der Bevölkerung nicht besonders beliebt. Auch glänzte das Fahrzeug nicht durch Solidität und Haltbarkeit. 1979, also zwanzig Jahre nach Produktionsende, dürfte die Zahl der noch zugelassen AWZ P70 sehr überschaubar gewesen sein.

Es ist bislang unklar, warum diese Spur von den Ermittlern nicht konsequent weiterverfogt wurde.

Mittlerweile ist bekannt, daß der von den Zeugen beobachtete PKW P70 einem Reichsbahntechniker aus dem Bezirk Suhl gehörte. Sein Besitzer hatte in das Fahrzeug Verstecke eingebaut, in denen möglicherweise auch die Bilder transportiert worden waren. Der Besitzer war außerdem wegen politischer und krimineller Delikte bereits polizeibekannt. Nach mehreren weiteren Verurteilungen wurde er Ende der 1980er Jahre in die Bundesrepublik ausgebürgert. Dort setzte er seine kriminellen Aktivitäten fort und verstarb 2014.

Immer noch ist unklar, ob der mutmaßliche Täter Komplizen hatte und wie der Kontakt zu dem westdeutschen Ehepaar aus dem Großraum Frankfurt am Main, den Käufern der Bilder, zustande kam.

Dieses Ehepaar wußte um die kriminelle Herkunft der Bilder, kaufte sie aber trotzdem und vermutlich als Wertanlage (es waren eher keine Kunstsammler) und schmuggelte sie 1982/83, nach einem Treff an der Transitstrecke, über die Grenze in die Bundesrepublik.

Der Vater verstarb 2018. Vor seinem Tod vertraute er das »Geheimnis der Bilder« seinen vier Kindern an. Er bat sie, diese nach Gotha zurückzugeben. Das taten die Kinder auch, allerdings verlangten sie zuerst rund fünf Millionen Euro für die Rückgabe.


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