Die Eisenacher Südstadt

Blick vom Fürstenhof auf die Predigerhöhe/Hainstein und zur Wartburg

Alles begann 1850, als der »Wildbann«, ein großherzogliches Jagdgebiet im Süden Eisenachs, der Stadt zugeschlagen und eingemeindet wurde. In den Jahren zuvor war dieses Gebiet nach Plänen und unter Anleitung des Oberforstrates Gottlob König (* 18. Juli 1779 in Hardisleben; † 22. Oktober 1849 in Eisenach) vollständig umgestaltet worden. Entstanden war hierbei eine parkähnlich modellierte Landschaft von ziemlicher Schönheit.

Insofern war es gar kein Wunder, daß bald auch potentielle Bauherren ein Auge auf dieses Gebiet warfen. Den Anfang machte im Mariental der Hamburger Kaufmann Schledehaus, der 1862 die »Villa Schledehaus« (Reuterweg 1) im sog. »Castle Style«, einer Sonderform der englischen Neugotik, errichten ließ. Es folgten die »Villa Bornemann« (Luisenstraße) und nach Plänen und unter der Anleitung des rennomierten Gothaer Architekten Ludwig Bohnstedt wurde 1866-1868 der Altersruhesitz für Dr. Fritz Reuter (Reuterweg 2) im Stile der italienischen Neurenaissance erbaut.

1872 stellte der Eisenacher Architekt und Ziegeleibesitzer Eduard Sältzer einen ersten Bebauungsplan für das Südviertel auf.

Der Boom der Gründerzeit bescherte Eisenach die Villenkolonie Südviertel, eines der größten zusammenhängenden Villengebiete in Deutschland, in dem man Bauwerke in allen Spielarten des Historismus und des Jugendstils findet. Nach 1870 wurde Eisenach zum Anziehungspunkt für wohlhabende Geheimräte, Fabrikbesitzer aus den sich entwicklenden Industriegebieten Deutschlands (Ruhrgebiet, Gebiet um Chemnitz), pensionierte Militärs, sowie für Pensionäre und Bürgerliche aus der Region. Eine »Rentnerstadt« war in der Entstehung begriffen. Es waren die Ruhe, die landschaftlich schöne Lage am Thüringer Wald und der historische Hintergrund der Wartburg (Martin Luther), die den Ort für diese Menschen attraktiv machten.

»Hier versucht sich jeder, seine eigene Wartburg zu bauen« (Autor unbekannt)

Es entstanden mehr als 100 meist herrschaftliche Villen in unterschiedlichen architektonischen Stilrichtungen. Wenn auch einzelne Bauten architektonisch eher fragwürdig sind, so beeindruckt das Gebiet aber doch in seiner Gesamtheit. Das Südviertel umfasst die Predigerhöhe, die Marienhöhe, die Karthäuserhöhe, das Mariental sowie weitere, kleinere Bereiche.

(Wird noch fortgesetzt.)


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