Die Eisenacher Ziegelei

Ziegelei Sältzer mit dem Hoffmannschen Ringofen 1875

Wilhelm Sältzer

Friedrich Wilhelm SältzerDer Architekt und Ziegelei-Besitzer Johann Friedrich Wilhelm Sältzer wurde 13. April 1779 in Madelungen bei Eisenach geboren und starb am 12. Juli 1853 ebenfalls in Eisenach. Er heiratete am 29. Juni 1806 Maria Friederike Sommer, mit der er u.a. drei Söhne hatte: Eduard, der später die väterliche Ziegelei übernahm, Alexander, der nach Amerika auswanderte und Wilhelm August, der die Kunsttöpferei August Sältzer gründete.

1820 gründete Wilhelm Sältzer auf dem Gelände zwischen der Karthäuserstraße, (heute Wartburgallee 66/70) und Marienstraße die Eisenacher Ziegelei. Diese Ziegelei wurde später von seinem Sohn Eduard weiter- und in die Eisenacher Actien-Ziegelei überführt.

Wilhelm Sältzer war ab 1804 als Baukondukteur (Bauleiter) in Weimar und von 1809 bis 1846 als Baurat für das fiskalische Bauwesen in Eisenach tätig. Unter seiner Leitung entstand von 1823 bis 1825 die 1. Bürgerschule am Markt 13, 1823 leitete er zusammen mit Clemens Wenzeslaus Coudray den Umbau des Gärtnerhaus in der Waisenstr. 2. 1829 wurde unter seiner Leitung die Leichenhalle auf dem Alten Friedhof am Schloßberg errichtet.

Als Sächsisch-Weimar-Eisenacher Großherzoglicher Baurat untersuchte Sälzer 1838 die Überreste der Wartburg. Hierbei entdeckte er eine Säulengalerie, was den Anstoß zur Wiederherstellung der Wartburg gab. Er ließ die hofseitigen Palas-Arkaden öffnen und ergänzen. Seltzer legte originelle und phantasievolle, von Burgenromatik geprägte, Neubaupläne für die Burg vor. Diese Pläne enthielten viele Elemente, die in die Entwürfe von Hugo von Ritgen, des eigentlichen Architekten der Wartburg, eingingen. Sältzer arbeitete bis zu seiner Pensionierung an der Burg als Ausführungsarchitekt und Bauleiter mit.

Die klassizistische Leichenhalle auf dem »Alten Friedhof«

Unter der Leitung von Wilhelm Sältzer wurde 1829 aus den Steinen des abgerissenen Predigertores eine Leichenhalle auf dem »Alten Friedhof« errichtet. Diese gelangte deutschlandweit zu einer gewissen Beachtung, denn es handelte sich um die modernste Leichenhalle ihrer Zeit. Damals herrschte eine weit verbreitete Angst, scheintot – also noch lebend – begraben zu werden. Deswegen trugen die Toten Fingerhüte, die mit einem Glöckchen verbunden waren, um einen im Haus anwesenden Wärter zu alarmieren, sollte sich der Tote als scheintot herausstellen. Sogar ein Gästebuch lag aus.

Selbst nach der Aufhebung des »Alten Friedhof« – 1865 – wurde die Halle weiter genutzt. Ihre Nutzung als Leichenhalle endete erst 1901 mit der Eröffnung einer neuen Halle auf dem neuen Friedhof. Danach diente sie als Sargmagazin und später – wegen der Wohnraumnot nach dem 2. Weltkrieg – für Wohnzwecke. Die ab 1969 angedachte Nutzung als Kindergarten unterblieb.

Die Halle ist nicht mehr erhalten; sie wurde wegen Baufälligkeit 1978 abgerissen.

Die Leichenhalle von Westen.
Die Leichenhalle von Osten.
Plan der Leichenhalle Ilmenau, welche 1837 nach dem Vorbild der Eisenacher Leichenhalle errichtet wurde.

Eduard Sältzer

Eduard Sältzer, um 1870Carl Friedrich Eduard Sältzer wurde am 29. Januar 1811 in Weimar geboren und starb am 14. Juli 1880 in Eisenach. Er war, ebenso wie sein Vater, Architekt und Ziegelei-Besitzer.

Ab seinem sechsten Lebensjahre erhielt er Privatunterricht, und besuchte das Eisenacher Gymnasium. Zur Vorbereitung für seinen zukünftigen Beruf absolvierte er bei einem Bauhandwerker in Kassel eine Lehre. Anschließend ging er nach München und studierte bei dem Architekten Friedrich Wilhelm von Gärtner Architektur und Bautechnik. Nach dem Studium begab er sich zusammen mit seinem jüngeren Bruder Alexander, der ebenfalls Architekt war, für mehrere Jahre nach New York. Danach kehrte er nach Deutschland zurück und besuchte die Gewerbeakademie Berlin, eine Vorgängerin der heutigen Technischen Universität Berlin.

Am 17. März 1860 heiratete er Anna Carolina Maria Wittich, eine Tochter des Großherzoglich Sächsisch-Weimarischen Kanzlers Gustav Wittich. Aus dieser Ehe ging die Tochter Therese (* 1861 † 1943) hervor, die 1886 den späteren Landtagspräsidenten Alfred Appelius heiratete.

Aktie der Eisenacher Ziegelei AG, 1877Nach Abschluss seines Zweitstudiums arbeitete er wieder als selbständiger Architekt in New York, entwarf diverse kleinere und größere Bauten und leitete eine Wasserheilanstalt. Wegen einer schweren Erkrankung seines Vaters kehrte er nach Eisenach zurück und übernahm die Leitung der väterlichen Eisenacher Ziegelei. Er sah die Vorteile des Hoffmannschen Ringofens und ließ einen dieser Öfen in seiner Ziegelei errichten. In enger Zusammenarbeit mit dem Erfinder trug er ganz wesentlich zur Weiterverbreitung des Ringofens in Thüringen bei und entwickelte sich zu einem Pionier der deutschen Ziegel-Industrie. Der Aufschwung der Ziegelei veranlaßte Sältzer, sie zu vergrößern und sie in die Eisenacher Actien-Ziegelei zu überführen. Sältzer war Gründungsmitglied des Deutschen Vereins für Fabrikation von Ziegeln, Tohnwaren, Kalk und Cement sowie dessen Förderer.

Verwaltungsgebäude der Eisenacher Ziegelei AG in der Werneburgstraße, ca. 1911Neben seiner Tätigkeit als Ziegeleidirektor arbeitete Sältzer als freier Architekt in Eisenach. Er stellte 1872 den Erschließungsplan für die neu zu bebauende Eisenacher Südstadt auf und trug damit ganz wesentlich zu deren Entwicklung bei. Außerdem entwarf und errichtete er in der aufstrebenden Stadt Villen und Stadthäuser wie etwa 1853 das Sommerhaus für den Eisenacher Arzt Dr. Gustav Theyson (Schlossberg 29). Ebenso wie sein Vater war er auch am Neuaufbau der Wartburg beteiligt.


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