Kurioses & Diverses

Ziegelei Sältzer, Kupferstich 1875

Der Oberbürgermeister und die abgesägte Zunge

Dr. jur. Friedrich (Fritz) Armin JansonIn den 1920er Jahren war der »Glockenturm«, ein Relikt der Eisenacher Stadtbefestigung in der Domstraße, einsturzgefährdet. Deswegen wollte ihn Oberbürgermeister Dr. Fritz Janson (* 29. März 1885 – † 25. Mai 1946, Oberbürgermeister von 1919 bis 1937), der direkt daneben im Haus »Am Glockenturm« (Mönchstraße 26) wohnte, abreißen lassen. Außerdem störte der Turm Jansons Sicht über die westliche Stadt.

Die oberbürgermeisterlichen Pläne stießen bei einigen Eisenacher Bürgern auf wenig Zustimmung. Sie begannen, auf eigene Initiative, mit der Sicherung des Turmes. Unter anderem wurden hierfür eiserne Anker verwendet. An einer dieser Anker, der sich direkt auf der Höhe von Jansons Wohnung befand, brachten sie ein Gesicht mit einer 30 cm langen herausgestreckten Zunge an und dazu den Spruch: »Vielen zur Freude – manchen zum Trotz«. Bürgermeister Janson war darüber so verärgert, dass er kurz darauf mit Leiter und Säge loszog und höchstselbst die Zunge absägte.

Der eiserne Anker mit dem Gesicht ging in den 70ern durch Vandalismus verloren, tauchte aber 1998 überraschenderweise wieder auf und wurde mit rekonstruierter Zunge wieder am Turm angebracht. Seit den 80ern befinden sich im Turm Wohnungen.

Die Domstraße mit Resten der Stadtmauer 1896. Der Glockenturm befindet sich ganz links.
Von links: Glockenhaus, Glockenturm, Haus »Am Glockenturm«
Haus »Am Glockenturm« mit Wohnung Dr. Janson
Links: Glockenhaus, rechts: Glockenturm; das Haus »Am Glockenturm« ist noch nicht erbaut.
Der Glockenturm von Osten
Der baufällige Glockenturm
Glockenhaus (links) und Glockenturm (rechts) im Jahr 2019
Glockenturm und Haus »Am Glockenturm« im Jahr 2019
Eiserner Anker mit »Trotzkopf« im Jahr 2019

Traue nur den Bildern, die Du selbst manipuliert hast

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Kurhaus Hainstein unterhalb der Wartburg

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Neuer Bahnhof

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Die Bach-Irrtümer

Bild: bachhaus.de»Das Bachhaus ist gar ncht das Bachhaus?!« Eigentlich weiß man das seit über 80 Jahren – aber so richtig will es auch wieder keiner wissen. Erst recht kein Eisenacher. Insbesondere japanische Touristen sind immer wieder bitter enttäuscht wenn sie erfahren, daß Johann Sebastian Bach gar nicht in diesem gelben Haus geboren wurde. Die Steuerakten, die das belegen, können im Bachhaus besichtigt werden. Bachs vermutliches Geburtshaus stand etwa 100 Meter stadteinwärts in der Lutherstraße 35 (früher »Fleischgaß«). Es wurde schon im 18. Jh. abgerissen und im neuen Haus hängt im Fenster oft ein Schild »Ferienwohnung belegt«. Aber immerhin: Das falsche Geburtshaus ist eines der ältesten Häuser von Eisenach. (Nein, es ist auch nicht das älteste Haus Eisenachs. Da gibt es noch mindestens zwei weitere Objekte, die ebenfalls sehr gute Kandidaten für diesen Titel sind.)

Die falsche Zuschreibung geht auf den Bach-Biographen Carl Hermann Bitter zurück, der das Haus 1857 anhand der mündlichen Überlieferung in Eisenach als Geburtshaus Bachs identifizierte. 1868 wurde vom Eisenacher Musikverein die Tafel angebracht und 1907, mit großem Pomp, das Museum eröffnet.


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