Dr. Johann Georg Bornemann

Ziegelei Sältzer mit dem Hoffmannschen Ringofen 1875

Johann Georg Bornemann wurde am 20. Mai 1831 in Mühlhausen als Sohn des Kaufmanns Georg Ludwig Bornemann und der Christine Emilie Bornemann als jüngstes von sieben Geschwistern geboren.

Nachdem er bereits Privatunterricht erhalten hatte besuchte er von 1842-1850 das humanistische Ratsgymnasiums in Mühlhausen/Thüringen und studierte von 1850-1854 Naturwissenschaften an den Universitäten Leipzig, Göttingen und Berlin. (Dissertation: »Ueber die Lias-Formation in der Umgegend von Göttingen und ihre organischen Einschlüsse«.)

Dr. Johann Georg BornemannDie Naturforschung hatte es Bornemann schon in seiner Heimatstadt Mühlhausen angetan. Er sammelte Pflanzen und Fossilien, beschäftigte sich mit Geologie und veröffentlichte 1856 auf der Basis seiner Pflanzenfunde eine erste Flora von Mühlhausen. Nach dem Studium der Geologie und Paläontologie kehrte er als Gelehrter zurück. Sein Interesse galt weiter der Geologie seiner Heimat. Dabei entwickelte er neue Methoden zur Mikroskopuntersuchung (Grundstein für die heutige Kutikularanalyse) von Pflanzen in Gesteinen. Schon 1853 wurde Bornemann in die Deutsche Geologische Gesellschaft (DGG) aufgenommen, die 1848 gegründet worden war.

Inspiriert und gefördert durch Alexander von Humboldt trat er 1856 seine 1. Italienreise an. Er wollte habilitieren und und auf dieser Reise zunächst Vorbereitungen für seine geplante akademische Lehrtätigkeit an einer deutschen Universität sammeln. Er besuchte Neapel, die liparischen Inseln, Sizilien und beschäftigte sich mit Vulkanologie. Auch bestieg er den Vesuv und den Ätna.

Dr. Johann Georg BornemannEigentlich war Johann Georg Bornemann entschlossen, eine wissenschaftliche Laufbahn anzutreten. Doch das änderte sich auf der Rückreise aus Italien, als er in Turin den Schwiegervater seines großen Bruders August Wilhelm Bornemann, den Leipziger Bankier Louis Sellier, traf. Sellier war Unternehmer, Mitbegründer der Leipziger Börse, der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt, der Eisenbahn Leipzig-Dresden und Miterbauer des Suezkanals. Er regte an, sich am »rasch aufblühenden Blei-/Zinkbergbau in Sardinien« zu beteiligen. Auch sollte Bornemann die Distrikte Sardiniens auf ihre Eignung für »Ackerbau und Weinbaucolonien für deutsche Colonisten« untersuchen. Bornemann übernahm die angebotene Gutachtertätigkeit im Auftrag der preußischen Regierung.

Und so trat Bornemann, ausgerüstet mit Kochgeschirr und Revolver (zum Schutz vor Räubern), 1857 seine 2. Italienreise an. Sie diente der Erforschung von Geologie und Lagerstätten der Insel Sardinien und er fand in den bestehenden, aber bisher kaum erschlossenen Bergbaugebieten reiche Bleierzvorkommen.

Zurück von dieser Reise suchte er in Paris Finanziers zur Gründung einer Bergbaugesellschaft für Sardinien. Geeignetes Personal, wie Bergbauingenieure und Steiger, fand Bornemann, der zum Präsidenten der »Bergbaugesellschaft Gennamari-Ingurtosu« gewählt worden war, an der Bergakademie im Sächsischen Freiberg. In der Mine Ingurtosu wurden von den über 800 Beschäftigten Tausende Tonnen Bleiglanz und Zinkblende produziert und nach Europa verkauft.

Nach dem Tode seines Bruder August-Wilhelm heiratete Bornemann 1859 dessen Witwe Agnes Louise Sellier, die Tochter des Leipziger Bankiers Louis Sellier und Mutter dreier Kinder. Er zog mit ihr nach Leipzig und wohnte dort in der Mühlgasse 10. Eine Tätigkeit fand er als Privatdozent an der Universität Leipzig.

Von Bornemann kontruierte Schleifmaschine für Dünnschliffe
Mit der Maschine angefertigte Dünnschliffe
Publikation zur Geologie Sardiniens
Tafel aus der Publikation zur Geologie Sardiniens

Im Jahr 1864 wurde er zum Mitglied der »Leopoldina«, der Deutschen Akademie der Naturforscher, gewählt.


»Villa Bornemann«, Kernstück des »Kurhotel Fürstenhof«1864 zog Bornemann mit Familie nach Eisenach, wo er 1861 das Sommerhaus des Fleischermeisters Samuel Liebetrau gekauft und zu einem Landsitz ausgebaut hatte. (Die »Villa Bornemann« wurde nach dem Tode Bornemanns verkauft und zum »Kurhotel Fürstenhof« um- und ausgebaut.) Er arbeitete als Bodenspekulant und stieg zum größten Grundbesitzer Eisenachs auf. 1891 gehörten ihm etwa 47,6 Hektar Land im Südosten Eisenachs, dem aufstrebenden Wohngebiet. (Der m² Bauland kostete in Eisenach 10 bis 30 Mark. 1891 hatte eine Mark, lt. Bundesbank, etwa die Kaufkraft von 6,60 €. Für den Bau des Burschenschaftsdenkmals auf der Göpelskuppe stiftete die Familie Bornemann 19.025 m² Grund.)

Sein geologisches Wissen verhalf ihm, Tonlager im Norden Eisenachs auszubeuten. 1875 war er einer der Gründer der Eisenacher Actien-Ziegelei. Die dort produzierten Backsteine dienten der Bebauung der Wohngebietes in der Südstadt.

Seine wissenschaftliche Tätigkeit ließ Bornemann nie ruhen. Die Bergung von Funden einer bandkeramischen Siedlung in der Tongrube der Eisenacher Ziegelei durch Bornemann legte den Grundstock für das Eisenacher »Thüringer Museum« und war die Haupt-Attraktion bei dessen Eröffnung 1899. Er veröffentlichte Schriften über die Geologie des Buntsandsteins, des Muschelkalks und des Keupers und wurde so zu einem Experten für das mitteldeutsche Trias. Auch betätigte er sich weiterhin als Botaniker. In seiner Sammlung im Herbarium Haussknecht der Friedrich-Schiller-Universität Jena finden sich seltene Arten, die heute im Mühlhausener oder Eisenacher Raum ausgestorben sind. Auch ein Belegexemplar für eine auf Sardinien beschriebene und nach ihm benannte Orchidee, die »Orchis bornemanni«, befindet sich dort. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet »Bornem.«. Seine umfangreiche Fossilien- und Gesteinssammlung wird im Institut für Geologische Wissenschaften und Geiselthalmuseum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg aufbewahrt. Seine Söhne Viktor und Felix halfen bei der Aufbereitung seiner Funde.

Stiefsohn Ludwig Georg BornemannSchon früh leitete Bornemann den Generationenwechsel ein. Sein Sohn Johann Emil Viktor studierte Bergbau und übernahm ab 1884 die Bornemannsche Bleierzmine in Ingurtosu (Sardinien). Stiefsohn Ludwig Georg übernahm die Grundbesitzgesellschaft »Karthäuserkolonie« und die Anteile an der Eisenacher Actien-Ziegelei. Sohn Georg zählte später zu den treibenden Kräften, als es um den Erhalt des Bachhauses und dessen Ausbau zum Museum ging.

Nach dem Tod der ersten Frau und Mutter seiner 7 Kinder 1889 heiratet er 1891 ein zweites Mal (Helene von Willich). Diese Ehe bleibt kinderlos.

Am 5. Juli 1896 starb Bornemann an den Folgen einer Herzerkrankung in Eisenach.


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