Zur Geschichte von Schloß & Park Altenstein

Alter Friedhof Eisenach, klassizistische Leichenhalle (mittlerweile abgerissen

Wahrscheinlich befindet sich schon zu vorchristlichen Zeiten eine Kultstätte auf dem Altenstein.

Nachdem die Franken 531 in der »Schlacht an der Unstrut« das Thüringer Königreich zerschlagen hatten errichten sie eine Reihe von Burgen zur Sicherung des neugewonnen Territoriums. So auch die »Burg Frankenstein« durch die Grafen von Frankenstein (einer Nebenlinie der Grafen von Henneberg) bei Bad Salzungen an der Werra. Wahrscheinlich um 700 herum erfolgt dann die Gründung der »Burg Steyn« – castrum de lapide – durch ebenjene Frankensteiner.

724 predigt Bonifatius – später »Apostel der Deutschen« genannt – hier zum ersten Mal in Thüringen und errichtet eine Kapelle auf dem Felsen gegenüber der »Burg Steyn« (Bonifatiusfelsen). Er wird von den Rittern Stein, die sich bereits zum arianischen Christentum bekannten, unterstützt. Später erbaut hier das Kloster Fulda eine Burg, als deren Lehnsmann »Dudo von Steyn« 1116 urkundlich genannt wird. 1150 wird im Güterverzeichnis des Abtes Marquard vom Kloster Fulda diese Burg als »Neuenburg« – novum castrum de lapide – bezeichnet. Laut »Frankensteiner Verkaufsbrief« verkaufen Ludwig und Sybotho von Frankenstein u. a. die Orte Steinbach und Schweina sowie die Neuenburg – nicht jedoch den Altenstein – am 10. August 1330 an den Grafen Bertold VIII. von Henneberg. Besondere Bedeutung erlangt diese Urkunde auch dadurch, daß hier der Thüringer Rennsteig zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.

1346 kauft der Landgraf von Thüringen, Friedrich der Ernsthafte, den Altenstein mit Gumpelstadt und Waldfisch von Heinrich von Salza – nicht jedoch die Neuenburg. Diese bleibt bis 1495 hennebergisch.

1347 heiratet Friedrich der Strenge Katharina von Henneberg. Als Mitgift erhält sie u. a. die Orte Steinbach und Schweina mit Profisch. Jedoch erst 1353 kommt, nach dem Tod ihrer Mutter, diese Mitgift endgültig in den Besitz des Landgrafen Friedrich des Strengen. Er vereinigt nun die Orte aus der Mitgift mit den 1346 von seinem Vater erworbenen Orten zu Vogtei und Gericht Altenstein.

Um 1370 hausen auf dem Altenstein Raubritter, die zum »Sternerbund«, einem thüringisch-hessischen Raubritterbund, gehören. 1379 ziehen die »Sterner« raubend bis nach Meiningen. 1402 bereitet Balthasar, der letzte auf der Wartburg residierende Landgraf, ihrem Treiben ein Ende.

Im Zuge der »Leipziger Landesteilung« 1485 kommt der Altenstein an die ernestinische Linie der Wettiner unter Kurfürst Ernst von Sachsen.

Am 10. Dezember 1492 erhält Hans Hund von Wenkheim durch Kurfürst Friedrich von Sachsen und seinem Bruder Johann den Altenstein als erbliches Mannlehen. 1495 kauft Hans Hund für 400 Gulden die Neuenburg von Hans Metsch.

Am 4. Mai 1521 wird Martin Luther eine halbe Stunde hinter dem Altenstein von Burkhard II. Hund von Wenkheim und Hans von Berlepsch, Burghauptmann der Wartburg, zum Schein gefangengenommen.

Im Zuge des Bauernkrieges 1522 bis 1524 werden beide Burgen schwer beschädigt. Die Burg Altenstein wird ab 1557 neu aufgebaut, die Neuenburg wird abgerissen. Im Zusammenhang mit dem Bauarbeiten kommt es zu Streit mit den vier Gemeinden wegen Bau-Fronen. In dessen Verlauf wird 1625 der Ritter Hund von Wenkheim zum Altenstein mit der Reichsacht belegt.

Während des 30jährigen Krieges überfallen 1640 die kaiserlichen Truppen den Altenstein und plündern ihn.

1699 enden die Hexenprozesse im Gericht Altenstein.

Am 10. Juli 1722 stirbt Erhard Friedrich Hund von Wenkheim, der letzte seines Stammes. Damit erlischt das erbliche Mannlehen und Altenstein fällt an das Meininger Herzogshaus. Das »Amt Altenstein« wird eingerichtet.

In der Nacht vom 27. zum 28. April 1733 brennt infolge einer Brandstiftung in Steinbach auch die Burg Altenstein vollständig ab.

1736 stellt im Auftrag von Herzog Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen der italienische Baumeister Alessandro Rossini das neue Schloß im Barockstil fertig – entgegen dem Wunsch des Herzogs aber mit der Ausrichtung der Hauptfassade nach Osten statt gen Westen. Aus diesem Grund betritt Anton Ulrich den Altenstein nie wieder. Anton Ulrich stirbt 1763.

Von 1775 bis 1782 regiert sein ältester Sohn Herzog Karl und von 1782 bis 1803 Herzog Georg I. mit seiner Gemahlin Louise Eleonore, geborene Prinzessin von Hohenlohe-Langenburg.

Anlage des Altensteiner Landschaftsparks

1. Phase: 1798-1803

Ab 1798 legt Georg I. den Grundstein für den ca. 160 ha großen Landschaftspark Altenstein. In dieser Zeit entstehen Parkarchitekturen wie die Ritterkapelle, das Chinesisches Häuschen mit Äolsharfe, die Rotunde, der Wasserfall mit Sennhütte im Louisental und die Teufelsbrücke, Außerdem erfolgt der Neubau des Hofmarschallamtes mit Marstall und Orangerie.

Beim Straßenbau wird 1799 die Altensteiner Höhle entdeckt und zugänglich gemacht.

Am 1. März 1800 kauft Georg I. den Ort Liebenstein zurück und baut ihn im Zusammenhang mit der Altensteiner Parkanlage zum Badeort aus.

Georg I. stirbt am 24. Dezember 1803.

1808 wird ein Gestüt eingerichtet, welches bis 1848 existiert.

2. Phase: 1814-1866

1814 wird auf dem Bonifatiusfelsen in Erinnerung an die Freiheitskriege ein eisernes Kreuz mit den Worten »Gott, Vaterland, Freiheit, Friede« errichtet.

1821 wird Bernhard II. Erich Freund regierender Herzog von Sachsen-Meiningen.

1833/34 fertigt Sir Jeffrey Wyatville erste Umbauentwürfe für das Schloß.

Ab 1846 wird der Landschaftspark Altenstein nach Plänen des Gartenbauarchitekten Fürst von Pückler-Muskau und seines Schülers Eduard Petzold umgestaltet.

1850 ff.: Friedrich August Stüler befaßt sich mit dem Schloßumbau.

Peter Joseph Lenné erarbeitet 1855 Hinweise für die Parkgestaltung.

3. Phase: 1866-1918

Richard Lucae erarbeitet 1866 weitere Umbaupläne für das Schloß.

Am 20. September 1866 tritt Bernhard II. Erich Freund in Folge der Ereignisse des Preußisch-Österreichischen Krieges zurück. Ihm verbleibt der Altenstein auf Lebenszeit. Am 21. September wird Georg II., der spätere »Theaterherzog«, regierender Herzog von Sachsen-Meiningen.

Am 3. Dezember 1882 stirbt Herzog Bernhard II. Erich Freund. Am 4. Januar 1888 stirbt die Herzoginmutter Marie und Herzog Georg II. übernimmt den Altenstein. Damit steht den Umbauplänen nichts mehr im Wege.

Von 1888 bis 1889 erfolgt der Schloßumbau im Stil der englischen Spätrenaissance durch den Hofbaumeister Albert Neumeister. Es erfolgt auch eine Überarbeitung der gärtnerischen Anlagen.

Am 25. Juni 1914 stirbt Georg II., sein Sohn Bernhard III. übernimmt die Regierung von Sachsen-Meiningen. Am 10. November 1918 dankt Herzog Bernhard III. im Zuge der Abschaffung der Monarchie in Deutschland ab. Der Altenstein verbleibt im Besitz des Hauses Sachsen-Meiningen.

Zwischen 1918 und 1958 stagnierte die Parkpflege.

1920, nach dem Tod seiner Gattin Charlotte von Preußen (Schwester des deutschen Kaisers Wilhelm II.), läßt Bernhard III. eine Familiengrabanlage im Altensteiner Park errichten. Bernhard III. stirbt 1928 und wird neben seiner Gattin beigesetzt.

Die herzogliche Familie lebt weiterhin auf Altenstein, bis am 19. Dezember 1941 Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen, Sohn von Georg II. aus zweiter Ehe mit Feodora von Hohenlohe-Langenburg, auf Altenstein stirbt. Im August 1942 verläßt die herzogliche Familie das Schloß, nachdem Freifrau Käthe von Saalfeld – die Gattin von Prinz Ernst – am 5. August 1942 den Altenstein an das Land Thüringen verkauft hat.

Von 1943 bis 1945 dient das Schloß als Erholungsheim für Offiziere der deutschen Wehrmacht.

Zum 1. August 1946 wird das Schloß an die Handwerkskammer von Thüringen verpachtet und dient fortan als Schulungs- und Ferienheim.

1951 erfolgt die Gründung einer Forstfacharbeiterschule.

4. Phase: ab 1958

Die Forstfacharbeiterschule wird 1958 aufgelöst und in eine Agraringenieurschule umgewandelt.

Am 19. September 1981 gründet sich ein »Parkaktiv« – eine Interessengruppe zur gemeinnützigen Pflege des Parks.

In der Nacht vom 3. zum 4. Februar 1982 brennt das Schloß bis auf die Umfassungsmauern aus.

1984 beginnen erste Arbeiten zum Wiederaufbau des Schlosses.

1986 erfolgt die Bildung einer »Parkbrigade« des staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes. 1989 wird die Parkbrigade durch die Stadt Bad Liebenstein übernommen.

Am Pfingstmontag, dem 8. Juni 1992, wird während eines ökumenischen Gottesdienstes ein neues Kreuz auf dem Bonifatiusrelsen eingeweiht.

Am 5. Oktober 1992 übernimmt der TÜV Thüringen e.V. die Ausbildungsstätte Altenstein. Fortan laufen Lehrgänge und Umschulungen auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit bzw. Garten- und Landschaftsgestaltung.

Am 20. Juli 1995 wird der Altenstein in die am 10. März 1944 neu errichtet »Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten« überführt.

(Wird gelegentlich fortgesetzt und ergänzt.)


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